Marktführer gegen Süddeutschland-Spezialist: Welcher Ticketanbieter hat 2026 die besseren Konditionen, das umfangreichere Angebot und den faireren Service?
Wer in Deutschland ein Konzertticket kauft, landet fast zwangsläufig bei einer von zwei großen Plattformen: CTS Eventim (Bremen) oder Reservix (Freiburg). Die beiden Anbieter sind auf den ersten Blick austauschbar, bei näherer Betrachtung aber grundlegend verschieden. Eventim ist der börsennotierte Gigant mit über 250 Millionen verkauften Tickets pro Jahr, zahlreichen Tochtergesellschaften (FanSale, medusa.de, amiando) und exklusiven Rechten an Bundesliga-Tickets. Reservix hingegen ist der inhabergeführte Mittelständler mit einer fair-trade-orientierten Mission und besonders starker Präsenz in süddeutschen Theatern, Festivals und Kulturzentren.
Die kurze Antwort für Eilige: Für Mainstream-Stadiontouren (Rammstein, Helene Fischer, Bayern München) führt kein Weg an Eventim vorbei, weil die Plattform exklusive Rechte hält. Für kleinere Clubkonzerte, Theater-Aufführungen, Kabarett oder regionale Festivals hat Reservix oft die günstigeren Gebühren und ein persönlicheres Erlebnis. Wer die Plattformen ausschließlich nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis auswählen kann, sollte vor jedem Kauf beide prüfen, denn dieselbe Veranstaltung kann auf beiden Plattformen gelistet sein – zu deutlich unterschiedlichen Endpreisen.
In diesem Vergleich analysiere ich Gebühren, Nutzerfreundlichkeit, Bezahlmethoden, Customer Support, mobile Apps, Angebot und Rücktrittsrechte. Die Daten basieren auf aktuellen Stichproben (April 2026), offiziellen Gebührenordnungen und eigener Erfahrung mit über 100 Ticketkäufen auf beiden Plattformen in den letzten 12 Monaten.
Gegründet 1989 in Bremen, heute Europas größter Anbieter für Ticketing und Live-Entertainment. CTS Eventim ist an der Frankfurter Börse gelistet (MDAX) und hatte 2024 einen Umsatz von über 2,4 Milliarden Euro. Das Unternehmen besitzt Eventim.de, FanSale, Ticketcorner (Schweiz), Oeticket (Österreich), Ticketone (Italien) und weitere. Der Firmenchef Klaus-Peter Schulenberg gilt als "Konzert-Dealmaker" Deutschlands und hat exklusive Deals mit der Deutschen Fußball Liga (DFL), der Europäischen Fußball-Union (UEFA) und vielen Großtourneen. Eventim ist außerdem Betreiber der Eventim-Hotline und der Eventim-Apollo-Konzerthalle in London.
Gegründet 2001 in Freiburg im Breisgau, inhabergeführt und mit rund 250 Mitarbeitern deutlich kleiner als Eventim. Reservix versteht sich als "Partner-Ticketing", das heißt: Die Plattform fungiert eher als White-Label-Lösung für Theater, Festivals und Clubs, die ihr eigenes Branding behalten. Technologisch betreibt Reservix eines der flexibelsten Ticketing-Systeme Europas und wickelt jährlich über 30 Millionen Tickets ab. Der Fokus liegt auf regionalen Kulturpartnern, der Theater- und Klassikbranche sowie fair-trade-orientierten Geschäftsmodellen. Reservix gehört seit 2016 mehrheitlich zur CRH-Gruppe, operiert aber unabhängig.
Die Gebühren sind der mit Abstand umstrittenste Punkt im Ticketing. Beide Plattformen erheben Vorverkaufsgebühren, Service-Gebühren und teilweise Versandkosten, die zusammen 10 bis 25% über dem Grundpreis liegen können. Hier der direkte Vergleich basierend auf Stichproben vom April 2026:
| Gebührenart | Eventim | Reservix |
|---|---|---|
| Vorverkaufsgebühr (VVK) | 10-18% vom Nennpreis | 8-15% vom Nennpreis |
| Service-/Buchungsgebühr | 1,90 bis 3,50 Euro pro Ticket | 1,50 bis 2,90 Euro pro Ticket |
| print@home (Selbstdruck) | 2,50 Euro pauschal | 1,90 Euro pauschal |
| Postversand | 4,90 bis 6,90 Euro | 3,90 bis 5,90 Euro |
| Mobile Ticket | Kostenlos | Kostenlos |
| Buchung per Telefon | 5,90 Euro pauschal | 3,90 Euro pauschal |
Rechenbeispiel für ein 60-Euro-Ticket: Bei Eventim zahlst du typisch 60 + 7,20 VVK + 2,50 Service + 2,50 print@home = 72,20 Euro. Bei Reservix sind es 60 + 6,00 + 1,90 + 1,90 = 69,80 Euro. Pro Ticket sparst du ca. 2,40 Euro, bei 2 Tickets über 4,80 Euro, bei Familien mit 4 Tickets fast 10 Euro. Über ein Jahr mit 10 Konzertbesuchen ergibt sich ein Vorteil von 24-48 Euro.
Die Website ist pragmatisch, funktional, aber auch oft überladen. Die Suchfunktion ist mächtig, aber nicht immer intuitiv. Die Eventim-App (iOS/Android) hat über 2 Millionen Downloads und ist der Standard für deutsche Konzertbesucher. Die App unterstützt Ticket-Transfer, Offline-Ansicht und Apple-Wallet-Integration. Negativ: Bei hohem Traffic (Presale-Starts) kollabiert die Plattform regelmäßig und User beschweren sich über ewige Wartezeiten.
Die Website ist schlanker und weniger werbelastig als Eventim. Der Checkout-Prozess ist einfacher. Die Reservix-App hat weniger Features, dafür funktioniert sie stabiler. Die mobile Ticketzustellung ist schneller, der Support persönlicher. Negativ: Die Suche ist weniger umfangreich, und manche Großtourneen sind schlicht nicht verfügbar.
| Zahlungsart | Eventim | Reservix |
|---|---|---|
| Kreditkarte (Visa, Mastercard, Amex) | Ja | Ja |
| PayPal | Ja | Ja |
| SEPA-Lastschrift | Ja | Ja |
| Apple Pay / Google Pay | Ja | Ja |
| Sofortüberweisung (Klarna) | Ja | Ja |
| Rechnung (nach Prüfung) | Selten | Bei Theatern häufig |
| Ratenzahlung | Bei Tickets > 150€ | Nicht verfügbar |
Kundenservice ist der Bereich, in dem sich die Philosophien am deutlichsten zeigen. Eventim betreibt ein Callcenter mit langen Wartezeiten (durchschnittlich 12-25 Minuten) und stark automatisierten E-Mail-Antworten. Die Hotline ist erreichbar Mo-Fr 9-19 Uhr, Sa 10-16 Uhr. Reservix hat kürzere Wartezeiten (5-10 Minuten), ein persönlicheres Team und beantwortet E-Mails meist innerhalb von 24 Stunden. Der Reservix-Support ist zudem mehrsprachig (Deutsch, Englisch, Französisch).
Bei Problemen wie ausgefallenen Events ist Eventim durch seine Größe besser organisiert, Rückerstattungen erfolgen nach 10-30 Werktagen. Bei Reservix sind es typisch 5-15 Werktage. Beide Plattformen erlauben KEINEN automatischen Rücktritt vom Ticket, wenn du als Kunde einfach nicht mehr willst – das ist ein rechtliches Thema: Tickets sind in Deutschland vom gesetzlichen Widerrufsrecht ausgenommen (§312g BGB).
| Event-Typ | Eventim | Reservix | Direkte Venue |
|---|---|---|---|
| Bundesliga-Spiele | Pflicht | Nein | Vereinswebsite |
| Arena-/Stadiontour | Meist exklusiv | Selten | Manchmal |
| Club-Konzert (<1000 Personen) | Möglich | Oft günstiger | Empfohlen |
| Theater/Oper/Klassik | Möglich | Marktführer | Abo-Empfehlung |
| Kabarett/Comedy | Möglich | Marktführer | Sehr gut |
| Festivals | Beides | Beides | Immer zuerst |
| Zirkus/Musical | Beides | Beides | Empfohlen |
Reservix ist im Durchschnitt 5-15% günstiger bei den Gebühren, besonders bei Theater, Kabarett und regionalen Events. Bei Stadiontourneen und Bundesliga-Tickets ist Eventim meist der einzige offizielle Anbieter. Vergleiche beide vor jedem Kauf.
Ja. Beide sind etablierte, deutsche Unternehmen mit BGH-Rechtsprechung-konformen Geschäftsmodellen. Eventim ist börsennotiert und reguliert, Reservix hat über 20 Jahre Marktpräsenz. Fake-Ticket-Risiken bestehen nur bei Zweitmärkten wie Viagogo, nicht bei offiziellen Plattformen.
Nein. Jedes Ticket ist plattformgebunden. Du kannst aber beide Plattformen parallel für verschiedene Events nutzen und bei FanSale (Eventim-Tochter) Tickets weiterverkaufen.
Beide Plattformen rückerstatten automatisch innerhalb von 10-30 Werktagen. Eventim ist durch seine Größe etwas langsamer, Reservix oft schneller. Die Rückerstattung erfolgt auf die ursprüngliche Zahlungsmethode.
Eventim hat mehr Features (Ticket-Transfer, Alarm, Offline-Ansicht), Reservix ist stabiler und werbefreier. Beide unterstützen Apple Wallet und Google Pay.
Ja, aber meist nur über direkte Box-Office-Buchung am Venue. Online-Plattformen bieten selten Rabatte – Ausnahme: Reservix listet bei einigen Theatern ermäßigte Kategorien.
Eventim: nur bei Tickets über 150 Euro und Bonitätsprüfung. Reservix: häufiger bei Theatern, meist aber nur bei kleineren Bestellungen bis 50 Euro. Standard sind Kreditkarte, PayPal und SEPA-Lastschrift.
FanSale ist der offizielle Eventim-Zweitmarkt mit Käuferschutz und preislich an den Originalnennwert gebunden. Reservix bietet keinen eigenen Zweitmarkt, sondern verweist an Event-Rücktausch-Formulare der Veranstalter.
Entdecke unsere passenden Guides, um deinen nächsten Konzert- oder Festivalbesuch noch besser zu machen:
Die CTS Eventim AG & Co. KGaA wurde 1989 in Bremen von Klaus-Peter Schulenberg als "Computer Ticket Service" gegründet. Schulenberg erkannte früh, dass das Ticketgeschäft in Deutschland dringend digitalisiert werden muss und begann, Software-Lösungen für Konzerthallen anzubieten. In den 1990er Jahren expandierte das Unternehmen durch Akquisitionen und entwickelte eigene Ticketing-Technologien. Der entscheidende Durchbruch kam 2000 mit dem Internet-Verkauf auf eventim.de.
Der Börsengang 2000 brachte dem Unternehmen Kapital für weitere Expansion. 2004 übernahm Eventim den Hauptkonkurrenten Karsten Jahnke Ticketing und baute die Marktführerschaft in Deutschland aus. Es folgten Akquisitionen in Österreich (Oeticket), der Schweiz (Ticketcorner), Italien (Ticketone) und weiteren europäischen Ländern. Heute ist CTS Eventim Europas größter Anbieter für Ticketing und Live-Entertainment mit über 250 Millionen verkauften Tickets pro Jahr.
Besonders wichtig für das Unternehmen sind die exklusiven Ticketing-Deals mit der Deutschen Fußball Liga (DFL), der UEFA und großen deutschen Tourneen. Eventim betreibt auch eigene Venues, darunter die Eventim Apollo in London und mehrere deutsche Konzertstätten. Der Geschäftsbericht 2024 zeigt einen Umsatz von über 2,4 Milliarden Euro und ein EBITDA von 590 Millionen Euro.
Schulenberg hat sich in den letzten Jahren mehrfach öffentlich gegen den unregulierten Zweitmarkt positioniert und die Plattform FanSale als offizielle Alternative zu Viagogo und StubHub etabliert. Diese Positionierung hat Eventim zu einem unerwarteten Verbraucher-Advokaten gemacht, auch wenn die Gebührenstruktur der Erstmarkt-Plattform selbst kritisiert wird.
Reservix wurde 2001 in Freiburg im Breisgau von einer Gruppe ehemaliger Mitarbeiter eines anderen Ticketing-Unternehmens gegründet. Die Firma verfolgte von Anfang an einen völlig anderen Ansatz als Eventim: Statt selbst als Marke aufzutreten, bot Reservix Ticketing-Technologie als White-Label-Lösung für Veranstalter an. Theater, Festivals, Clubs und Kulturzentren konnten die Reservix-Software nutzen, behielten aber ihr eigenes Branding.
Dieser Ansatz zahlte sich aus: Reservix wurde schnell zum Marktführer bei Theatern, Klassik-Konzerten und regionalen Kulturpartnern. Die Software-Lösung ist technologisch eine der flexibelsten Europas und erlaubt Veranstaltern komplexe Sitzplatz-Konfigurationen, Abo-Systeme, Gutschein-Verwaltung und detaillierte Besucher-Analysen. Heute wickelt Reservix jährlich über 30 Millionen Tickets ab.
2016 wurde Reservix Teil der Irish CRH-Gruppe, operiert aber weiterhin unabhängig von Freiburg aus. Der Fokus liegt weiterhin auf regionalen Kulturpartnern, und die Unternehmenskultur ist deutlich familiärer als bei Eventim. Reservix beschäftigt rund 250 Mitarbeiter, was im Vergleich zu Eventims 5000+ Mitarbeitern zeigt, wie unterschiedlich die Unternehmen aufgestellt sind.
Ein interessanter Aspekt des Reservix-Geschäftsmodells ist der "Fair-Trade-Ticketing"-Ansatz: Reservix schließt Verträge mit Veranstaltern, die bestimmte Fair-Trade-Standards einhalten (keine überhöhten Gebühren, Transparenz, Verbraucherfreundlichkeit). Diese Positionierung hat Reservix zu einem Liebling der Kultur-Community gemacht, auch wenn die Reichweite im Vergleich zu Eventim geringer bleibt.
Neben Eventim und Reservix gibt es weitere relevante Player, die den Vergleich bereichern. Ticketmaster International, der globale Marktführer, hat in Deutschland trotz massiven Marketings nur einen geringen Marktanteil. Ticketmaster ist stark im englischsprachigen Raum und bei einigen internationalen Touren, aber lokale Partnerschaften fehlen weitgehend.
Semmel Concerts und FKP Scorpio sind keine reinen Ticket-Plattformen, sondern Konzert-Promoter, die ihre Tickets über verschiedene Kanäle (Eventim, eigene Websites, Partner) verkaufen. Bei großen Tourneen lohnt sich oft der direkte Blick auf die Promoter-Website, weil dort erste Presales und exklusive Angebote zu finden sind.
Die DEAG Deutsche Entertainment AG ist ebenfalls ein wichtiger Player, vor allem bei klassischen Konzerten und Musicals. Ticketcorner ist die Schweizer Eventim-Tochter und wichtig für Deutsch-Schweizer Grenzregionen. Oeticket (Österreich) ist der Standard südlich der Grenze. Für Konzerte in den Nachbarländern sind diese Anbieter gegenüber Eventim oft günstiger.
Das Ticketing-Geschäft steht vor mehreren großen Umbrüchen. Erstens: Blockchain-basierte Tickets sind auf dem Vormarsch. NFT-Tickets bieten fälschungssichere Verifikation, transparente Weiterverkaufspreise und automatische Provisionen für den ursprünglichen Veranstalter bei jedem Transfer. Eventim experimentiert bereits mit NFT-Tickets für Testkonzerte, und einige internationale Plattformen haben NFT-Tickets als Standard eingeführt.
Zweitens: Dynamische Preisbildung wird häufiger. Ticketmaster hat 2022 in den USA das "Dynamic Pricing" eingeführt, bei dem die Ticketpreise je nach Nachfrage schwanken. Die Preise können 2-3x den Ausgangspreis erreichen. In Deutschland ist dieses Modell noch nicht verbreitet, aber Veranstalter experimentieren damit. Verbraucherschützer lehnen es ab, weil es die Preise für Fans intransparent macht.
Drittens: Die Konsolidierung der Branche geht weiter. Reservix gehört zur irischen CRH-Gruppe, Eventim kauft weitere europäische Anbieter auf, kleinere Plattformen werden aufgekauft oder verschwinden. Das Risiko einer Monopolstellung wächst, und das Bundeskartellamt beobachtet den Markt genau.
Viertens: Die Integration mit Streaming-Diensten nimmt zu. Spotify und Apple Music zeigen inzwischen Konzert-Empfehlungen direkt in der App, oft mit direktem Link zu Eventim oder Reservix. Diese Integration wird weiter zunehmen und den Kauf-Prozess vereinfachen.
Als Verbraucher solltest du diese Entwicklungen kennen und kritisch begleiten. Die Verbraucherzentralen, das Bundeskartellamt und die EU-Kommission sind die wichtigsten Institutionen, die fair Ticketing in Deutschland überwachen. Beschwerden können über die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr eingereicht werden.
Neben den beiden Marktführern gibt es eine wachsende Zahl von Nischen-Anbietern, die spezielle Communitys bedienen. Spiffy (früher Ticketmaster Deutschland) ist vor allem für internationale Konzerte interessant. Die Plattform bietet oft andere Ticket-Kontingente als Eventim und kann daher eine Alternative bei ausverkauften Shows sein.
Ticketino ist ein Schweizer Anbieter, der auch in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die Plattform fokussiert sich auf kleinere Veranstalter und bietet oft günstigere Gebühren als Eventim. Besonders bei Schweizer oder Schweiz-nahen Events lohnt sich der Blick.
Lokale Anbieter wie Kulturticket (Berlin), Hamburg Ticket, München Ticket und Rhein-Main-Ticket haben sich auf bestimmte Städte oder Regionen spezialisiert. Sie bieten oft exklusive Kontingente für lokale Veranstaltungen und haben direkten Kontakt zu den Venues. Die Gebühren sind meist niedriger als bei Eventim.
Für klassische Konzerte sind Anbieter wie tonhalle-ticket.de, berlin-concerts.de oder elbphilharmonie.de (als Venue-Portale) oft die beste Wahl. Sie haben alle verfügbaren Plätze direkt vom Veranstalter und bieten umfassende Beratung zu Sitzplatz-Qualität und Akustik.