Deutschland ist das Land der Oper. Kein anderes Land der Welt verfügt über eine so hohe Dichte an professionellen Opernhäusern: Über 80 öffentlich geförderte Häuser, von kleinen Stadttheatern mit 300 Plätzen bis zu den weltberühmten Kolossen in Berlin, München, Hamburg und Dresden, prägen die Opernlandschaft des Landes. Zusammen bringen sie jährlich Tausende von Vorstellungen auf die Bühnen - mehr als in jedem anderen Land der Welt. Oper in Deutschland ist keine Angelegenheit einer kleinen Elite, sondern ein öffentlich gefördertes Kulturgut, das mit Steuergeldern aller finanziert wird und deshalb für alle zugänglich sein soll. Stehplätze ab fünf Euro, Jugendprogramme, ermäßigte Karten für Schüler und Studenten, kostenlose Einführungen und Open-Air-Übertragungen machen diesen Anspruch täglich wahr.
Die Spielzeit der deutschen Opernhäuser läuft in der Regel von September bis Juli. Im Sommer schließen die meisten Häuser für die Sommerpause, öffnen aber für Festspiele oder Sonderveranstaltungen. Die Bayreuther Festspiele im Juli und August sind die bekannteste Ausnahme: Hier beginnt die Opernwelt erst in der zweiten Jahreshälfte zu leuchten. Wer erstmals in die Oper geht, findet in Deutschland ein System, das Einsteiger besonders willkommen heißt: Werkeinführungen, Übertitelungen des Gesangstextes auf Bildschirmen über der Bühne, kostengünstige Einführungskonzerte und Familienvorstellungen machen den Einstieg leicht und schön.
| Opernhaus | Stadt | Besonderheit | Spielzeit | Tickets ab |
|---|---|---|---|---|
| Bayerische Staatsoper | München | Regelmäßig unter den weltbesten Häusern; Nationaltheater am Max-Joseph-Platz; Opernfestspiele im Juli | Sep–Jul | ab 10 € (Stehplatz) |
| Staatsoper Unter den Linden | Berlin | Älteste Oper Berlins (1742); Staatskapelle Berlin; Daniel-Barenboim-Ära | Sep–Jul | ab 10 € (Stehplatz) |
| Semperoper Dresden | Dresden | Architektonisches Meisterwerk; Sächsische Staatskapelle; Richard-Strauss-Uraufführungen | Sep–Jun | ab 12 € |
| Hamburgische Staatsoper | Hamburg | Älteste staatliche Oper Deutschlands (1678); Hamburg Ballett unter John Neumeier | Sep–Jun | ab 7 € (Stehplatz) |
| Staatsoper Stuttgart | Stuttgart | Vielfältiger Spielplan; Oper, Schauspiel und Ballett unter einem Dach | Sep–Jun | ab 12 € |
| Oper Frankfurt | Frankfurt | Mehrfach "Opernhaus des Jahres" (Opernwelt); breites zeitgenössisches Repertoire | Sep–Jul | ab 10 € |
| Deutsche Oper Berlin | Berlin | Größtes Operngebäude Berlins; Wagner und großes italienisches Repertoire | Sep–Jun | ab 12 € |
| Komische Oper Berlin | Berlin | Regietheater-Tradition; alle Opern auf Deutsch; familienfreundlich | Sep–Jun | ab 10 € |
Die Bayerische Staatsoper im Münchner Nationaltheater ist regelmäßig in den weltweiten Top-Rankings der führenden Opernhäuser und wird von Kritikern und Publikum gleichermaßen als eines der drei bis fünf besten Opernhäuser der Welt eingestuft. Das klassizistische Gebäude am Max-Joseph-Platz, errichtet im frühen 19. Jahrhundert und nach der Kriegszerstörung 1943 originalgetreu bis 1963 wiederaufgebaut, bietet über 2.100 Sitzplätze und eine akustische Qualität, die für große Opernstimmen gleichsam maßgeschneidert wirkt. Der geräumige Orchestergraben fasst über 100 Musiker des Bayerischen Staatsorchesters, eines der klanglich reichsten Ensembles der Welt.
Das Repertoire ist von enormer Breite und Tiefe: Von Barockopern und Mozarts Da-Ponte-Trilogie bis zu den großen romantischen Werken von Wagner und Verdi, von Puccinis Verismo-Dramen bis zu zeitgenössischen Uraufführungen. Die Sängerbesetzungen sind von Weltrang - Cecilia Bartoli, Jonas Kaufmann und Diana Damrau sind hier zu Hause oder regelmäßige Gäste. Die Opernfestspiele im Juli präsentieren die aufwendigsten Produktionen mit Star-Besetzungen, und Opernfans aus aller Welt reisen nach München. Stehplätze am Abend der Vorstellung sind ab 10 Euro erhältlich - ein frühes Erscheinen an der Kasse ist dabei unerlässlich, da die Schlange sich oft schon Stunden vor Öffnung bildet.
Die Semperoper Dresden ist eines der schönsten Operngebäude der Welt. Das neorenaissance Gebäude von Gottfried Semper, dreimal erbaut und dreimal durch Feuer oder Kriegseinwirkung zerstört und immer wieder originalgetreu aufgebaut, steht am Theaterplatz neben dem Dresdner Zwinger und dem Residenzschloss - ein städtebauliches Ensemble von europäischem Rang. Die Semperoper ist die Heimat der Sächsischen Staatskapelle Dresden, eines der ältesten und klanglich einzigartigsten Orchester der Welt mit einer ununterbrochenen Tradition seit dem 16. Jahrhundert. Das Haus pflegt eine besondere Verbindung zu Richard Strauss: Salome (1905), Elektra (1909), Der Rosenkavalier (1911) und Ariadne auf Naxos (1912) erlebten alle ihre Weltpremieren in Dresden.
Die Hamburgische Staatsoper ist die älteste staatliche Oper Deutschlands: 1678 als erste bürgerliche Oper im deutschsprachigen Raum gegründet, hat sie eine Tradition, die alle anderen deutschen Opernhäuser überragt. Das heutige Gebäude am Dammtor stammt von 1955 und ist ein Nachkriegsbau, der seine Qualität durch Spielplan und Ensemble definiert. Besonders berühmt ist Hamburg für das Hamburg Ballett unter John Neumeier, das als eines der bedeutendsten Ballettensembles weltweit gilt. Das Spielplan-Angebot ist eines der breitesten in Deutschland: Klassische und moderne Opern, Operetten, Ballett und konzertante Aufführungen laufen im Wechselrepertoire. Stehplätze ab 7 Euro machen die Hamburgische Staatsoper zu einem der zugänglichsten Weltklasse-Häuser überhaupt.
Berlin ist als einzige Stadt der Welt mit drei erstklassigen Opernhäusern ausgestattet, die alle in direkter Konkurrenz zueinander und dennoch mit klar unterschiedlichen Profilen arbeiten. Die Staatsoper Unter den Linden ist das älteste und traditionellste Haus, 1742 auf Wunsch Friedrichs des Großen erbaut und nach aufwendiger Sanierung 2017 wiedereröffnet. Sie steht für das klassische Opernrepertoire auf höchstem Niveau. Die Deutsche Oper Berlin ist das größte Operngebäude Berlins und auf imposante Wagner-Produktionen und das große italienische Repertoire ausgerichtet. Die Komische Oper Berlin schließlich ist für ihre innovative Regietheater-Tradition bekannt und führt alle Opern auf Deutsch auf - ein Konzept, das den Zugang für ein deutschsprachiges Publikum besonders direkt gestaltet und das Haus zu einem idealen Einstiegs-Opernhaus macht.
Die Bayreuther Festspiele sind das bedeutendste Wagner-Festival der Welt und finden jedes Jahr im Juli und August im Festspielhaus auf dem Grünen Hügel in Bayreuth statt. Richard Wagner ließ das Festspielhaus 1876 eigens für seine Opern errichten - das einzigartige Akustiksystem, der verdeckte Orchestergraben und die Holzkonstruktion des Saals schaffen eine für Wagner-Opern optimierte Klangwelt, die nirgendwo sonst so erlebt werden kann. Ausschließlich Wagners Werke werden gespielt: Der Ring des Nibelungen, Parsifal, Tristan und Isolde, Die Meistersinger von Nürnberg, Lohengrin und Der fliegende Holländer.
Karten für die Bayreuther Festspiele sind legendär schwer zu bekommen: Die Warteliste für reguläre Karten war jahrelang bis zu zehn Jahre lang. Heute gibt es neben dem traditionellen Vorverkauf auch kurzfristigere Kontingente über das offizielle Kartenbüro der Festspiele. Preise beginnen bei ca. 30 Euro für Plätze in schlechteren Lagen bis über 500 Euro für Premium-Parkett bei Gala-Vorstellungen. Für Wagner-Fans ist ein Besuch in Bayreuth ein Lebenstraum und ein klanglich unvergessliches Erlebnis.
In Deutschland gibt es verschiedene Bezeichnungen für Opernhäuser, die unterschiedliche Profile und Traditionen bezeichnen. Die Staatsoper ist in der Regel ein vom jeweiligen Bundesland getragenes und gefördertes Opernhaus mit einem festen Ensemble, einem Hausorchester und einem Repertoire von Barock bis zur Gegenwart. Die Volksoper ist ein Begriff, der heute vor allem in Wien bekannt ist und für ein Haus steht, das neben der Oper auch Operetten, Musicals und Ballett im Programm hat und sich an ein breites, auch weniger opernerfahrenes Publikum wendet. In Deutschland sind viele Häuser als Staatstheater organisiert, die neben der Oper auch Schauspiel und Ballett unter einem Dach vereinen; das Staatstheater Stuttgart ist ein gutes Beispiel. Stadttheater sind kommunal finanzierte Häuser in mittelgroßen Städten, die ebenfalls ein breites Programm bieten und oft der günstigste Einstieg in die Opernwelt vor Ort sind.
| Opernhaus | Stehplatz / günstigster Platz | Normales Parkett | Premieren-Maximum | Spielzeit |
|---|---|---|---|---|
| Bayerische Staatsoper München | 10 € (Stehplatz) | 60–120 € | bis 250 € | Sep–Jul |
| Staatsoper Unter den Linden Berlin | 10 € (Stehplatz) | 50–100 € | bis 200 € | Sep–Jul |
| Semperoper Dresden | 12 € | 40–90 € | bis 190 € | Sep–Jun |
| Hamburgische Staatsoper | 7 € (Stehplatz) | 40–90 € | bis 180 € | Sep–Jun |
| Bayreuther Festspiele | 30 € (ältere Jahrgänge) | 150–300 € | bis 500 €+ | Jul–Aug |
| Oper Frankfurt | 10 € | 40–80 € | bis 150 € | Sep–Jul |
| Deutsche Oper Berlin | 12 € | 40–90 € | bis 170 € | Sep–Jun |
| Komische Oper Berlin | 10 € | 35–80 € | bis 120 € | Sep–Jun |
Eine der häufigsten Fragen von Erstbesuchern betrifft die Kleidung. Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt auf den Anlass an. Bei regulären Repertoire-Vorstellungen unter der Woche ist gepflegte Alltagskleidung vollkommen ausreichend - niemand wird im Theater schief angesehen, wenn er in gepflegten Jeans erscheint. Bei Premieren, Gala-Vorstellungen und Festspielen hingegen ist festlichere Kleidung gesellschaftlich erwartet: Herren tragen häufig Anzug oder Smoking, Damen Cocktailkleid oder Abendgarderobe. Besonders ausgeprägt ist dieser Dresscode bei den Bayreuther Festspielen und den Münchner Opernfestspielen im Juli, wo ein Großteil des Publikums in formeller Abendkleidung erscheint. Open-Air-Veranstaltungen und Kinderkonzerte haben generell keine Kleidungsvorschriften.
Wer günstig in die Oper will, hat in Deutschland mehrere bewährte Optionen:
Wer noch keine Opern-Erfahrung hat, fragt sich oft: Mit welchem Werk soll ich anfangen? Die folgenden Opern sind besonders einsteigerfreundlich, melodienreich und regelmäßig im deutschen Spielplan:
Deutschland hat über 80 professionelle Opernhäuser mit festem Ensemble - mehr als jedes andere Land der Welt. Von kleinen Stadttheatern bis zu weltbekannten Häusern wie der Bayerischen Staatsoper oder der Semperoper Dresden ist die Dichte einzigartig. Die meisten Häuser werden von den Kommunen oder Bundesländern öffentlich gefördert, was die Ticketpreise im Vergleich zu anderen Ländern moderat hält.
Operntickets kosten je nach Haus und Platz zwischen 7 und 250 Euro. Stehplätze beginnen ab 5 bis 10 Euro. Günstige Plätze in den oberen Rängen kosten 15 bis 30 Euro. Normales Parkett und Logen kosten 60 bis 150 Euro, Premierenplätze und Festspielkarten bis 250 Euro und mehr. Studenten und unter 30-Jährige erhalten in vielen Häusern 30 bis 50 Prozent Rabatt auf reguläre Kartenpreise.
Die Bayreuther Festspiele finden jedes Jahr im Juli und August statt und sind ausschließlich dem Werk Richard Wagners gewidmet. Karten sind extrem begehrt und müssen frühzeitig über das offizielle Kartenbüro der Festspiele bestellt werden. Preise: ab ca. 30 Euro für weniger begehrte Plätze bis über 500 Euro für Premium-Parkett bei Gala-Vorstellungen.
Die Oper ist ein ernstes oder komisches Musiktheater, in dem der gesamte Text gesungen wird und das Orchester eine tragende Rolle spielt. Die Operette ist eine leichtere Form mit gesprochenem Dialog, eingängigen Melodien, tanzbaren Rhythmen und oft komischen oder romantischen Elementen. Bekannte Operetten sind Die Fledermaus von Johann Strauss und Die lustige Witwe von Franz Lehár. Viele Staatstheater zeigen sowohl Opern als auch Operetten im Spielplan.
Für einen ersten Opernbesuch empfehlen sich Häuser mit Übertitel-Anlage (Text wird live auf Bildschirmen angezeigt), gutem Einführungsprogramm und einem zugänglichen Repertoire. Die Komische Oper Berlin spielt auf Deutsch und ist besonders familienfreundlich. Oper Frankfurt und die Hamburgische Staatsoper bieten ein breites Angebot und Einführungen an. Als Erstwerk eignen sich melodienreiche Stücke wie La Traviata, Carmen oder Die Zauberflöte.